Wewelsfleth / Wischhafen
SuedLink Elbquerung ElbX
Wewelsfleth / Wischhafen, Deutschland / 10.2023 - 08.2027
Im Rahmen des Ausbaus von SuedLink sieht der Streckenplan auch die Unterquerung der Elbe vor. Der fĂŒhrende europĂ€ische Netzbetreiber TenneT TSO GmbH beauftragte die PORR in ARGE mit der Wayss & Freytag Ingenieurbau AG fĂŒr die Umsetzung des 5,2 Kilometer langen Tunnels zwischen SchleswigâHolstein und Niedersachsen, durch den ab 2028 leistungsstarke HGĂâLeitungen Windstrom in den SĂŒden transportieren werden. In rund 20 Metern Tiefe entsteht der Tunnel im maschinellen Vortrieb mit TĂŒbbingausbau. Um das technisch ambitionierte Projekt erfolgreich zu realisieren, flieĂt die ganze Expertise der PORR ein â beginnend beim Tunnelbau, ĂŒber den Ingenieurbau und Spezialtiefbau bis hin zur BIM Gesamtkoordination durch die pde Integrale Planung.
Facts & Figures
Unternehmen
PORR GmbH & Co. KGaA
Projektart
Tunnelbau
Bauzeit
10.2023 - 08.2027
Ein Tunnel 20 m unter der Elbe
Mit dem symbolischen Spatenstich im September 2023 in Wewelsfleth begann offiziell der Bau der Elbquerung ElbX. Unmittelbar nach dem Auftakt starteten die bauvorbereitenden MaĂnahmen, unter anderem die Herstellung der FlĂ€chenbefestigungen, bevor die SpezialtiefbauâTeams mit der Errichtung der Startbaugrube begannen. Parallel dazu liefen auch auf der niedersĂ€chsischen Seite in Wischhafen die Vorbereitungen fĂŒr die Zielbaugrube an.
Herausfordernde Schlitzwandarbeiten im Winter
Bereits im Winter 2023 zeigte sich die KomplexitĂ€t des Baugrunds. Die Schlitzwandarbeiten in SchleswigâHolstein liefen unter schwierigen Wetterbedingungen, geprĂ€gt von Windlasten, aufgeweichtem Boden und anspruchsvoller Logistik. Das Team meisterte diese Herausforderungen routiniert â selbst die Bergung eines 27 Meter tief liegenden GranitâGneisâFindlings kurz vor Weihnachten stellte die Bauarbeiten nur kurzzeitig auf die Probe und bot zugleich geologisch interessante Einblicke. Bis Anfang 2024 waren 23 SchlitzwĂ€nde der Startbaugrube hergestellt, ergĂ€nzt durch 549 VerdrĂ€ngungspfĂ€hle zur Stabilisierung der kĂŒnftigen KabellagerflĂ€chen.
Beginn des Aushubs und Herstellung der Unterwasserbetonsohle der Startbaugrube
Im FrĂŒhjahr 2024 erreichten die Arbeiten eine neue Phase: Nachdem die SchlitzwĂ€nde termingerecht abgeschlossen waren, wurde im April die erste Steifenlage eingebaut. Kurz darauf begann der Nassaushub von rund 25.000 Kubikmetern Marschboden. Aufgrund der hohen GrundwasserstĂ€nde mussten die bis zu 54 Meter tiefen SchlitzwĂ€nde besonders wasserdicht ausgefĂŒhrt werden, da aus UmweltschutzgrĂŒnden keine Druckleitung zur Wasserstandsregulierung verlegt werden durfte. Das erforderte engmaschige Kontrollen, um Risiken eines Grundbruches auszuschlieĂen. Industrietaucher unterstĂŒtzten die Arbeiten im Unterwasserbereich, entfernten Schlamm und Suspensionsreste und bereiteten die Herstellung der Unterwasserbetonsohle vor, die ab Juni eingebaut wurde.
Werksabnahme der Tunnelbohrmaschine
WĂ€hrenddessen liefen die Vorbereitungen fĂŒr einen der gröĂten Meilensteine des Projekts: die Fertigung der Tunnelbohrmaschine. Im Juli 2024 fand im Werk Schwanau die feierliche Werksabnahme der fĂŒr SuedLink ElbX maĂgeschneiderten 700 Tonnen schweren TBM statt. Das Mixschild ist fĂŒr die wechselhaften BodenverhĂ€ltnisse unter der Elbe ausgelegt â eine Abfolge aus Ton, Klei, Torf, Sand, Kies sowie Steinen und Findlingen â und mit einem hochkomplexen Dichtungssystem fĂŒr Arbeiten in 20 Metern Tiefe ausgestattet. Nach der Abnahme erfolgte die Demontage, der Transport nach Wewelsfleth und die schrittweise Montage in der Startbaugrube, damit der maschinelle Vortrieb Ende 2024 beginnen konnte.
Errichtung der SchachtgebÀude beidseits der Elbe
Parallel dazu gingen die Arbeiten an den beiden Schachtbauwerken zĂŒgig voran. Auf beiden Elbseiten entstehen 21 Meter tiefe und acht Meter hohe SchĂ€chte, die spĂ€ter die Anbindung der sechs 525âkVâGleichstromkabel an den Tunnel und die MuffengebĂ€ude gewĂ€hrleisten. Oberirdisch werden ergĂ€nzende BetriebsgebĂ€ude errichtet. Auf niedersĂ€chsischer Seite wurden die anspruchsvollen Schlitzwandarbeiten fĂŒr die Zielbaugrube im Februar 2025 erfolgreich abgeschlossen. Die Baugrube wurde vollstĂ€ndig ausgehoben, gelenzt und mit Steifenlagen gesichert. Auch die kleinere Baugrube fĂŒr das MuffengebĂ€ude erhielt eine Unterwasserbetonsohle, die durch MikropfĂ€hle gegen Auftrieb gesichert wurde.
Start des Tunnelvortriebs Anfang 2025
Im Februar 2025 begann schlieĂlich der maschinelle Tunnelvortrieb. Die TBM â auf den Namen Elsa getauft â arbeitet sich tĂ€glich rund zehn Meter durch das Erdreich und erreichte im Dezember 2025 mit 50 Prozent vorgetriebener Tunnelstrecke das âBergfestâ. Besonders herausfordernd waren die Abschnitte unter dem Flussbett, in denen Elsa den zĂ€hen Lauenburger Ton durchfahren musste. Unter der Schifffahrtsrinne waren zudem Druckluftarbeiten mit bis zu 4,8 bar erforderlich, die den Personaleinsatz erhöhten und die Arbeitszeiten am Schneidrad auf etwa 50 Minuten pro Schicht begrenzten.
Fortschritte an den Schachtbauwerken
WĂ€hrend der Vortrieb fortschritt, kamen auch die SchachtgebĂ€ude weiter voran: In SchleswigâHolstein entstand bereits das zweite Untergeschoss, in Niedersachsen wurde am fĂŒnften Untergeschoss gearbeitet. Mit der Fertigstellung der Zielbaugrube im Jahr 2025 war die Voraussetzung geschaffen, dass die TBM Elsa Mitte 2026 am Zielschacht durchbrechen kann.
Bedeutung fĂŒr SuedLink und die Energiewende
ElbX verlĂ€uft seit Beginn im Zeitplan und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur pĂŒnktlichen Inbetriebnahme des SuedLink im Jahr 2028. Dann werden sechs Gleichstromkabel ĂŒber den 5,2 Kilometer langen Tunnel zwischen Wewelsfleth und Wischhafen Windstrom aus Norddeutschland sicher und effizient in den SĂŒden transportieren. Das Projekt vereint Tunnelbau, Spezialtiefbau, Ingenieurbau und Kabelbau in einer der technisch komplexesten InfrastrukturmaĂnahmen Deutschlands â und zeigt, wie eng verzahnte Zusammenarbeit zum Erfolg fĂŒhrt.
Sehen Sie weitere Bilder und Videos zum Projekt:
Weitere Informationen
SuedLink Elbquerung ElbX
- Leistungen des PORR Spezialtiefbau
- Zwei rund 25 Meter tiefe Baugruben, SchlitzwÀnde, VerdrÀngungspfÀhle, Unterwasserbetonsohle, Probebelastungen sowie MikropfÀhle.
- Leistungen des PORR Tunnelbau
- Herstellung eines rund 5,2 Kilometer langen Tunnels unter der Elbe.
- Leistungen des PORR Ingenieurbau
- Errichtung der SchachtgebÀude.